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Wardhausen
Wardhausen, das Dorf am Kanal, gehört mit seiner Fläche von 214 ha und einer Einwohnerzahl von ungefähr 150 Menschen zu den kleineren Ortsteilen, der aber einen ganz eigenen Charme entwickelt hat. Heute gibt es auf Wardhausener Seite nur drei Straßen (Am Pölleken, Binnen Voisselt und die Johanna-Sebus-Straße).
Wardhausen ist kein Dorf im eigentlichen Sinne. Es gibt keine eigene Kirche, kein Zentrum, keinen Dorfplatz. Aber gerade deshalb gehört Wardhausen zu jenen Ortsteilen, die Sie unbedingt gesehen haben müssen, wenn Sie nach Kleve kommen.
Der Ort wird bestimmt durch den Spoykanal, der noch heute von der Schifffahrt genutzt wird. Entlang dieses Bandes sind Häuser entstanden, die sich, nur durch eine Straße getrennt, eng an den Spoykanal schmiegen. Daneben besteht Wardhausen in erster Linie aus landwirtschaftlichen Betrieben, die hier vor allem Milch produzieren.
Wardhausen istein herrliches Fleckchen Erde. Von hier lassen sich wunderschöne Radtouren starten, oder Sie machen hier einfach Rast, wenn Sie zu Fuß oder mit dem Fahrrad unterwegs sind. Stellen Sie sich dann einfach mal auf die Schleuse, und genießen Sie den herrlichen Blick zum einen Richtung Kleve den Spoykanal hinunter, zum anderen die Aussicht auf den Altrhein und die phantastische Landschaft.
In der niederländischen Sprache steht das Wort "Spoy" für einen Wasserdurchlass oder eine Schleuse. Kein Wunder also, dass die Einheimischen das Dorf entlang des Spoykanals als "de Spoy" bezeichnen. Zwar findet man diese Ortsbezeichnung auf keiner offiziellen Karte, Klever wissen aber sofort, was mit "de Spoy" gemeint ist. Für die Menschen in Wardhausen ist es zudem die einzig "richtige" Bezeichnungfür den Ort. Wer "de Spoy" sagt, dem ist es auch gleich, ob die Schleuse nun in Wardhausen oder doch in Brienen liegt.
Die heute unter Denkmalschutz stehende Schleuse kann auf einel ange Geschichte zurückblicken, denn sie wurde bereits 1656 - 1688 erbaut. Das Rheinhochwasser setzte der Schleuse stark zu und zerstörte sie oft. Aber die Schleuse wurde immer wieder neu aufgebaut. Nach dem Jahrhunderthochwasser 1809 wurde die Schleuse zunächst nurprovisorisch als Flutschleuse wieder hergestellt. Erst 1843 wurde mit dem Neubau der Schleuse begonnen. Vier Jahre später war sie als Kammerschleuse vollendet und machte den Spoykanal wieder schiffbar. Zu dieser Zeit befuhren fast 600 Schiffe, darunter auch Dampfschiffe, den Kanal. Damals entstand zwischen der Schleuse und dem Johanna-Sebus-Denkmal die Gaststätte "Zum Johanna-Sebus-Denkmal", die bis heute als gastliche Stätte geschätzt wird.
Der Schiffsverkehr nahm schließlich ab, weil die Schleuse bei Niedrigwasser nicht mehr zu befahren war. Außerdem ließen Untiefen im Spoykanal eine ganzjährige Nutzung nicht zu. 1906 entschloss man sich, eine tiefer liegende neue Schleuse zu bauen. Sie wurde drei Jahre später fertig gestellt. Die neue Schleuse konnte nun auch bei niedrigerem Wasserstand befahrenwerden. Später entstand am ehemaligen Standort der alten Schleuse ein Pumpenhaus, mit dem der Wasserstand des Spoykanals geregelt wurde. Auch nach dem 2. Weltkrieg musste die Schleuse in Brienen erneut aufgebaut werden. Zuletzt wurde sie im Herbst 2003 saniert.
Neben der Schleuse, die alleine schon einen Besuch wert ist, sollten Sie sich unbedingt auch das Johanna-Sebus-Denkmal, direkt am Deich, etwa 100 Meter von der Schleuse entfernt, anschauen. Die Geschichte beginnt mit einem der schlimmsten Hochwasser, das die Bewohner der Niederungen des "Cleverham" im Jahre 1809 heimsuchte. Ein Deichbruch bei Kalkar brachte die Wassermassen in die tiefer gelegenen Vororte von Kleve. Zudem staute sich das Wasser durch den Eisgang und verhinderte die Flucht der Menschen in die höher gelegene Stadt. Die Kirche in Brienen ging in den Fluten unter, und Johanna Sebus, das Heldenmädchen aus Brienen, verlor ihr Leben. Die 17-jährige hatte zunächt ihre Mutter durch die Fluten zu einer sicheren Erhebung getragen. Bei dem Versuch, eine Nachbarin und deren Kinder zu retten, wurde sie von den Wassermassen mitgerissen und ertrank. Ihr Leichnam wurde drei Monate später zwischen Rindern und Düffelward unter Schlamm und Schlick gefunden. Sie wurde auf dem Friedhof in Rindern begraben. Ihre Tat bewegte die Menschen und daher ist es nicht wunderlich, dass Goethe ihr noch im Todesjahr eine Ballade widmete mit dem Vorspruch: "Zum Andenken der siebzehnjährigen Schönen, Guten aus dem Dorfe Brienen, die am 13. Januar 1809 bei dem Eisgang des Rheins und dem großen Bruche des Dammes von Cleverham, Hilfe reichend, unterging".
Zwei Jahre später wurde ihr zu Ehren ein Denkmal gesetzt. Die rundbogig schließende Stele stand ursprünglich frei auf der Deichkrone. Heute fügt sie sich in ein kleines Areal ein, das vor allem im Sommer viele Ausflügler in seinen Bann zieht. DieSchauseite des Denkmals ziert ein rundes Relief aus Marmor. Es ist von zwölf marmorweißen Sternen umgeben. Das Relief stellt eine auf dem Wasser schwimmende Rose dar. Auf der Rückseite der Stele befindet sich die 1953 nachträglich eingefügte deutsche Übesetzungdes ursprünglichen französischen Textes.

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