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Rindern

Rindern ist der Ort, an dem Beuys seine ersten Lebensjahre verbracht hat. Doch auch heute lässt es sich gut leben in dem Ort, der noch in weiten Bereichen dörfliche Strukturen hat.

RindernRindern, mit etwa 2.840 Einwohnernauf einer Fläche von 673 ha, hat sich im Wesentlichen seinen eigenständigen Charakter bewahrt. Von der eigentlichen Stadt unter anderem durch die bekannten historischen Gartenanlagen getrennt, zeigt Rindern noch deutliche Züge einer intakten Dorfgemeinschaft.

 

Museum Forum Arenacum Rindern, das ist der Ort, an dem Joseph Beuys seine ersten Lebensjahre verbracht hat. Von hier aus ging er nach Düsseldorf, von wo aus er die Kunstwelt revolutionierte.

Rindern ist aber auch ein Stadtteil, in dem es sich sehr gut leben lässt. Nicht weit von Kleve entfernt, gerade mal durch die historischen Gartenanlagen von der Stadt getrennt, finden sich hier gemütliche Wohnstraßen in dörflichem Ambiente. Nicht umsonst zählt Rindern, neben Reichswalde und Materborn, zu den beliebtesten Wohnstandorten in Kleve. Ebenso verfügt Rindern über ein eigenes Museum, das Forum Arenacum, indem der Heimatverein Schätze aus der Römerzeit zeigt.

 

 

Kirche in Rindern Umgeben von einer herrlichen Landschaft wird der Ort dominiert von der Katholischen Kirche. Sehr auffällig, die Kirche samt Friedhof und Pastorat liegen nicht etwa im Zentrum von Rindern sondern ganz im Westen am Dorfrand.

Nichts desto trotz lohnt sich ein Besuch, zumal von hier aus auch der Drususdeich abzweigt. Eine der schönsten Fahrrad- und Wanderstrecken in Kleve. Entlang der Rindernschen Kolke, einer in Nordrhein-Westfalen nahezu einmaligen Naturlandschaft aus einer Vielzahl von kleinen Tümpeln und Teichen (Kolke), gelangen Sie über Gut Hogefeld, auch hier lohnt sich ein kleiner Abstecher, nach Düffelward.

 

 

Der Mars-Camulus Stein

Bei Rindern denkt man als Zugereister zwangsläufig erst einmal an Kühe. Aber nicht nur. Rindern hatte und hat noch mehr zu bieten als nur Landwirtschaft. Rindern, von den Römern wegen seiner Lage am Rhein auf den Namen Arenacum oder Harenatium getauft, ist ein Örtchen mit Geschichte - wenn die auch manchmal gut versteckt liegt. Etwa in der Kirche St. Willibrord. Dort steht seit 1967 wieder der Mars-Camulus-Stein. Immer wieder sonntags zelebriert Pfarrer Andreas Poorten auf dem gut 2000 Jahre alten Relikt aus altrömischer Zeit die heilige Messe.

Dass sie da einen richtigen Schatz mitten in ihrer Kirche stehen haben, wissen die Menschen in Rindern. Über den Ort hinaus ist aber wenig über denMars-Camulus-Stein bekannt. "Mal stand er in der Kirche, lag am Wegesrand in Rindern, dann in der Schwanenburg", lässt Pfarrer Poorten die wechselvolle Geschichte des römischen Steins Revue passieren. Generationen betrachteten ihn als nutzlos, nutzten den Stein nur als Altarfuß. Wegen seiner Inschrift galt er zwischenzeitlich sogar als untragbar für eine Kirche. "Ursprünglich war es ja ein heidnischer Altar", erinnert Poorten.

Bild des Mars-Camulus-SteinBürger aus dem gallischen Reims stellten ihn auf, um ihren Göttern und dem Kaiser zu huldigen. Das alles kann Pfarrer Poorten aus den lateinischen Inschriften des Steinslesen. Historiker beschäftigten sich seit langem mit der Geschichte des Steins und fanden zudem heraus, dass Papst Gregor I. einige Jahrhunderte später anordnete, die heidnischen Heiligtümer in kirchlichen Gebrauch zuübernehmen. Vieles aber ist in der langen Geschichte verloren gegangen und kann nur schwer beleuchtet werden.

Seit 1967, da holte die Pfarrgemeinde den Stein, der Jahrhunderte in dem alten Teil der Kirche - der Taufkapelle - seinen Platz hatte, in einem Husarenstück nach Rindern zurück. Bis dahin stand der römische Steinmal im Antiquitätensaal, mal verlassen im Burghof der Schwanenburg. Eigentlich ist man ja dran gewöhnt, Zeugnissen der Antike allein im Museum zu begegnen, weil sie in den meisten Fällen nicht an ihrem Fundort belassen werden. Das konnte Pfarrer Heinrich Offermann damals knapp verhindern. Im rheinischen Landesmuseum in Bonn findet sich deshalb nur ein Nachguss des Steins aus Rindern. "Bisher ist noch kein römischer Altarstein gefunden worden, an dem wir so gut erkennen können, dass er unverändert zum christlichen Altar geweiht wurde", so Poorten. "Deshalb ist dieser St. Willibrord-Altar für die Altertumskunde und Religionsgeschichte ein Denkmal ersten Ranges."

Nicht nur dies. Für Pfarrer Andreas Poorten ist es vor allem faszinierend, dass an diesem Steinüber viele, viele Jahrhunderte Eucharistie gefeiert wurde. "Gott, der Stein, ist ein Zeugnis des gelebten Christentums."

Sind sie neugierig geworden? Dann schaue Sie sich den Stein doch einfach mal an. Geöffnet ist die Kirche St. Willibrord in Rindern, Hohe Straße, jeden Tag.

Der Stein wurde für den belgisch - keltischen Gott Camulus errichtet, dann aber zweckentfremdet weiterverwendet. Die römischen Kultstätten, wo auch Rindern zu gehörte, sind nach der römischen Herrschaft als billiger Steinbruch genutzt worden. Die erste Kirche in Rindern dürfte mit diesen Steinen erbaut sein.

Bild des Mars-Camulus-SteinAuch musste der Mars-Camulus-Stein etliche Änderungen über sich ergehen lassen. Im 17. Jahrhundert, nach Restauration, ist die Inschrift nochmals ergänzt worden. 

Im Jahre 1793 ist der Mars-Camulus-Stein von Rindern auf die Schwanenburg in Kleve geschafft worden. Der damalige Pfarrer Müller ließ über den Stein eine Eigentumsbescheinigung ausstellen, mit der Behauptung, dass der Stein schon vor älteren Zeiten auf dem Kirchhofe gelegen habe. Dieser Schein war die Grundlage dafür, dass im Dezember 1967der Stein wieder nach Rindern zurückkehren konnte. 175 Jahre hat der Stein sein Dasein an verschiedenen Stellen am Schwanenturm gefristet. Davon befand er sich zwischen 1793 und 1820 im Antiquitätensaal (Antikensaal). 1820 hat Staatskanzler Fürst von Hardenberg angeordnet, alle römischen Funde dieser Region in das von ihm geschaffene Museum für rheinisch - westfälische Altertümer Bonn zu bringen. Nur der Mars-Camulus-Stein durfte auf der Klevischen Schwanenburg bleiben.

Eine Reihe berufener Gelehrter hatte sich im Laufe der Jahrhunderte über die eingemeißelten Schriftzeichen und Embleme geäußert. Dr. Gorissen war in der Lage, alle über Jahrhunderte angefallenen Lesarten miteinander zuvergleichen und so auszuwerten, dass Zweifel im Sinne beweisbarer Geschichte, großenteils auszuschließen sind.

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