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Reichswalde
Was macht den Reiz von Reichswalde aus? Ist es das ausgesprochen ruhige Wohnen, ist es die Nähe zum Reichswald oder ist es die ländliche Idylle rund um Reichswalde?
Reichswalde, die einstige Waldarbeitersiedlung, wird heute noch immer geprägt durch die zahlreichen Aussiedlerhöfe. Reichswalde besitzt eine Fläche von 513 ha bei einer Einwohnerzahl von zirka 1.670 Menschen. Die Dorfgründer waren auf Zusammenhalt angewiesen, als zwischen 1948 und 1951 einige kriegsgeschädigte Teile des Reichswaldes gerodet wurden, um hier die neuen Dörfer Nierswalde, Reichswalde und Rodenwalde aufzubauen. Die Siedlinge waren zu einem großen Teil geflohene Bauern, die in Oberschlesien oder Ostpreußen ihre Höfe verlassen mussten. Dazu siedelten auch einige Niederrheiner hier. Bis heute wird gern erzählt, unter welchen unsäglichen Mühen die riesigen Baumwurzeln aus dem künftigen Ackerland herausgeholt wurden.
Die erste Ernte wurde mit geschmückten Wagen eingefahren, wenn auch die damaligen Kartoffeln nach Wald schmeckten. Kartoffeln verraten durch den Geschmack, auf welchem Boden sie gewachsen sind, weiß Cornelius Queling, der als Jugendlicher mit seinen sieben Geschwistern und der gerade verwitweten Mutter eine neue 60 Morgen große "Bauernstelle" beackerte. Rund 100 Siedlerstellen waren in Reichswalde in den Wald geschlagen worden, darunter 30 damals "Intensivstellen" genannte Anwesen. Das waren eine Art Gartenbaubetriebe, die vor allem Gemüse erzeugten. Siedlersohn Heinz Kroemer hat mit der Zeit einen Betrieb für die Staudenzucht daraus gemacht und liefert sein Topfpflanzen von hier aus inzwischen lastwagenweise aus.
Die Gründung der Dörfer, dank derer sich der Sauerländer Heinrich Lübke, Landwirtschaftsminister in Düsseldorf, sich für höhere Ämter, zunächst Bundeslandwirtschaftsminister und später als Bundespräsident empfahl, war eine hoch politische Entscheidung. Worum es ging stand am 23. Dezember 1946 in der Rheinischen Post. Die Niederlande verlangten, dass als Kompensation für Kriegsschäden deutsche Gebiete ihrem Staatsgebiet zugeschlagen werden sollten. Zwischen Aachen und Emden wären dann Orte wie Geldern, Wesel, Gronau, Bentheim und Emden holländisch geworden.
Die bedeutsamste Landnahme planten die Holländer im Gelderland, das nahezu vollständig niederländisch werden sollte. Auch um solche Ansinnen abzuwehren galt es in das damals menschenarme Gelderland Siedler zu bringen und damit Fakten zu schaffen. Wie es geschafft wurde, war dem Aufmacherartikel der Rheinischen Post vom 17. September 1951 zu entnehmen, in dem über "Neue Dörfer am Niederrhein" und die Festveranstaltung mit Heinrich Lübke berichtet wurde.
Reichswalde ist von jeher, wie der Name schon sagt und wie die vorangegangenen Kapitel belegen, vom Reichswald bestimmt. Als ehemalige Waldarbeitersiedlung gegründet, die typischen Arbeiterhäuschen lassen sich übrigens noch heute bewundern, hat sich Reichswalde gerade in der jüngsten Vergangenheit zu einem beliebten Wohnort entwickelt. Überall in Reichswalde wird heute gebaut. Die größten Neubaugebiete der Stadt werden in Reichswalde realisiert. Aber was ist es, was Reichswalde so begehrt macht? Ist es das ausgesprochen ruhige Wohnen, ist es die Nähe zum Reichswald, ist es die ländliche Idylle rund um Reichswalde, die vor allem von Aussiedlerhöfen und Gärtnereien bestimmt wird? Reichswalde ist ein Ort zum gemütlichen Wohnen, hier dominiert die Einfamilienhausbebauung junge Familien mit Kindern realisieren sich hier ihren Traum vom eigenen Haus.
Und Reichswalde hat den Reichswald. Gleich hinter dem Ort erstreckt sich dieses riesige Waldgebiet, dass zum Wandern oder auch nur zum Spazierengehen geradezu einlädt. Von hier aus ist man auch mal ganz schnell in der Nachbargemeinde Kranenburg. Und der Wald erstreckt sich weiter über die Grenze hinaus bis in die Niederlande nach Nimwegen.
Noch zu erwähnen ist das Wildgehege und der Waldlehrpfad an der Grunewaldstraße. Und gerade die Kinder kommen hier auf ihre Kosten. Doch auch Eltern habe ihre Freude. Vor allem Hirsche und Rehe lassen sich hier zum Greifen nahe bestaunen.

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