Inhalt

Widerspruch gegen Beschluss "Sekundarschule / Gesamtschule"

Datum der Meldung: 15.11.2016

Bürgermeisterin Sonja NorthingIn der Sitzung des Rates der Stadt Kleve am 09.11.2016 wurde der Beschluss gefasst, zum Schuljahr 2017/2018 eine zweite Gesamtschule neu zu gründen und die Sekundarschule auslaufen zu lassen.

Gegen diesen Beschluss hat die Bürgermeisterin Sonja Northing Widerspruch erhoben.

„Das Schulwesen ist wichtiger Teil des Gemeinwesens einer Stadt. Die Entwicklung der Schullandschaft soll zukunftsfähig sein und insbesondere von der Gemeinschaft getragen werden," so Northing.

Aus Sicht der Bürgermeisterin beruht dieser Ratsbeschluss nicht auf dem Boden sachgerechter und ausgewogener Entscheidungsfindung, da er die Grundlagen des der Verwaltung durch den Schulausschuss in seiner Sitzung am 06.07.2016 erteilten Prüfauftrages außer Acht lässt.

Vor dem Hintergrund der sich seinerzeit ergebenden Möglichkeiten

  1. Fortführung der Sekundarschule
  2. Schließung der Sekundarschule und Neugründung einer Hauptschule
  3. Schließung der Sekundarschule und Neugründung einer Realschule
  4. Schließung der Sekundarschule und Neugründung einer Gesamtschule
  5. Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule

hat der Schulausschuss die Verwaltung beauftragt, die schulorganisatorischen Fragen zur Fortentwicklung der Sekundarschule zu prüfen und die begleitenden Maßnahmen durchzuführen:

a) Eingliederung der Sekundarschule in die bestehende Gesamtschule
b) Umwandlung zu einer eigenständigen Gesamtschule
c) Prüfung einer gemeinsamen Oberstufe von zwei Gesamtschulen.

Die Prüfung zur Schließung der Sekundarschule und Neugründung einer Gesamtschule wurde nicht beantragt. Somit wurden die betroffenen Nachbargemeinden und Schulkonferenzen entgegen der gesetzlichen Vorgaben nicht gehört.

Die einmalige Chance, die Sekundarschule in eine Gesamtschule umzuwandeln, wurde bisher in einem langen Prozess in den Schulausschüssen ausführlich und sehr intensiv beraten. Diesen Schulausschüssen ist eine Beratung bei der Bezirksregierung, auch in Gegenwart des Bürgermeisters der Gemeinde Bedburg-Hau, vorausgegangen. Des Weiteren haben Vertreter der Bezirksregierung auf Fragen der Politik geantwortet. Der Tenor aller Schulausschüsse war bis zum Ratsbeschluss am 09.11.2016 die mögliche Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule.

Die Gründung der Gesamt- und Sekundarschule wurde seinerzeit in einem Gründungsteam, bestehend aus Vertretern der Bezirksregierung, von begeisterten Lehrerinnen und Lehrern sowie von Mitarbeitern der Verwaltung über Monate konzeptionell sehr gut vorbereitet. Beide Schulen konnten mit den gleichen pädagogischen Konzepten 2012 erfolgreich an den Start gehen. Seit dieser Zeit besteht eine enge Kooperation zwischen der Sekundar- und der Gesamtschule.

Nun hat der Rat in seiner Sitzung am 09.11.2016 mit knapper Mehrheit und für alle überraschend die Auflösung der Sekundarschule und die Gründung einer neuen Gesamtschule beschlossen.

Die Gründung einer neuen Gesamtschule kann ebenfalls nur in einem Gründungsteam erfolgen. In diesem Team müssen Vertreter der Bezirksregierung, Lehrer und Lehrerinnen und Vertreter/innen des Fachbereichs Schulen beteiligt sein und die Schule konzeptionell auf den Weg bringen. Diese Arbeit käme auf die Verwaltungen von Kleve und Bedburg-Hau zusätzlich zu und würde zu weiteren organisatorischen Belastungen führen, die zurzeit noch nicht genau abschätzbar sind. Demgegenüber hat das Lehrerkollegium unter Leitung von Frau Pieper für die bisher geplante Umwandlung schon erhebliche Vorarbeit geleistet und ein Team stünde für das kommende Anmeldeverfahren bereit. Im Übrigen hätte die Umwandlung der Sekundarschule in eine Gesamtschule den Vorteil, dass alle rund 660 Schüler und Schülerinnen und das gesamte Lehrerkollegium der Sekundarschule zum 01.08.2017 in die Gesamtschule übergehen. Die Kinder würden somit ein Zeugnis der Gesamtschule erhalten und nicht ein Zeugnis einer Sekundarschule, einer Schulform, die im ganzen Land negativ behaftet ist.

Die Eltern der rund 660 Schüler und Schülerinnen haben ihre gesamte Hoffnung darauf gesetzt, diese einmalige Chance zu nutzen. Bereits mit dem Elternbrief zum Schulausschuss am 06.07.2016 haben die Eltern ihren Wunsch der Umwandlung den Vertretern und Vertreterinnen der Politik deutlich mitgeteilt. Die Entscheidung des Rates, die Sekundarschule aufzulösen, kam für die Eltern, für die Schüler und Schülerinnen und auch für die Verwaltung vollkommen überraschend und wurde aufgrund einer knappen Mehrheitsentscheidung getroffen. Die Zukunft der Schullandschaft auf der Grundlage einer so knappen Mehrheit zu gründen, ist kein gutes Fundament. Die Enttäuschung der Eltern ist verständlich.

Des Weiteren hat der zuständige Dezernent bei der Bezirksregierung Düsseldorf die Auflösung der Sekundarschule mit Schreiben vom 12.11.2016 aus schulfachlicher Sicht abgelehnt. Auch er betont, dass der gesamte Beratungsprozess stets von einer Umwandlung ausgegangen sei.

Die Bürgermeisterin sieht sich gehalten, Fairness, Glaubwürdigkeit und vertrauensvolle Zusammenarbeit mit allen Beteiligten, insbesondere den Eltern, der Schulpflegschaft, den Lehrern, den Schulleitungen, den Nachbarkommunen und der Bezirksregierung zu fördern. Durch die hier getroffene Entscheidung des Rates der Stadt Kleve sieht sie jedoch das Wohl der Stadt Kleve gefährdet. Mit einer erneuten Beratung soll nun eine sachliche Diskussion im Rat der Stadt Kleve ermöglicht werden.

„Eine solche zukunftsweisende Entscheidung muss ausführlich beraten werden, sodass der Widerspruch auch zum Schutze des Rates erfolgt", so Bürgermeisterin Northing.

nach oben