Bach und Schubert tanzen über Tasten

Der Franko-Schweizer Pianist Cédric Pescia ist in der internationalen Szene mehr als ein Geheimtipp und zu unprätentiös für das Rampenlicht der…

Der Franko-Schweizer Pianist Cédric PesciaDer Franko-Schweizer Pianist Cédric Pescia ist in der internationalen Szene mehr als ein Geheimtipp und zu unprätentiös für das Rampenlicht der Glamour-Liga. Seine Einspielungen der „Goldberg-Variationen“ und des „Wohltemperierten Klaviers“ von Johann Sebastian Bach gelten mit rauschender Technik und brillanter Tongestaltung als Referenzaufnahmen auf Augenhöhe mit Glenn Gould. Bach spielt Cédric Pescia auch in Kleve, bei seinem Klavier-Recital am Dienstag, 8. Oktober, 20 Uhr, in der Stadthalle, kombiniert diesen mit Schubert und tanzt in den barocken und romantischen Partituren schreitend und wirbelnd über die Tasten.

Cédric Pescias Klavierabend beginnt mit Bachs Partita Nr. 1 B-Dur und dessen Englischer Suite Nr. 1 a-moll, den zweiten Teil widmet er der späten Schubert-Sonate Nr. 21 B-Dur: „Bezüge zwischen Bach und Schubert sind in der Auseinandersetzung mit Tanzmotiven zu finden: jeder Satz aus der Partita und der Englischen Suite stellt einen Barocktanz dar, und die B-Dur Sonate ist voller Motive, die an Tanz erinnern“, erklärt Cèdric Pescia selbst seine Dramaturgie, deren roter Faden die Harmonik ist: „Es ist für mich immer interessant, ein Programm zu bauen, das auf einer Haupttonart basiert, in diesem Fall B-Dur. Weder für Bach noch für Schubert war B-Dur so üblich wie andere Tonarten. Es ist faszinierend, wie die beiden Komponisten diese Tonart erforschen. Die extrem anders klingende Tonart a-moll bildet einen starken Kontast zur Haupttonart des Programms.“

Historisch informiert, doch verblüffend frisch in der Interpretation schafft der in Lausanne geborene, mit internationalen Preisen ausgezeichnete und weltweit konzertierende Pianist transparente und spannungsvolle Vergleiche zwischen den Meistern und ihren Musikepochen. Der Tastentänzer spielt einmal präzise wie ein Uhrmacher, dann wieder selbstvergessen wie ein Jazzpianist „Pescia nimmt sich genau geplante Freiheiten; das ist interpretatorischer state of the art“ schrieb die Presse über die lebendigen Nuancen seines Anschlags, das erstaunliche Miteinander von kühnen Wechseln und klar hörbarer Struktur in einer tief anrührenden Grundstimmung.

Cédric Pescia studierte in Lausanne, Genf und Berlin, war Schüler u.a. von Dimitri Bashkirov, Leon Fleisher und Andreas Staier, erhielt Anregungen von Pierre-Laurent Aimard, Daniel Barenboim, Dietrich Fischer-Dieskau und dem Alban Berg Quartett. Auf die Frage nach weiteren Einflüssen nennt er jedoch auch die Namen u.a. von Kafka, Dostojewski, Paul Celan, John Cage, Ingmar Bergman und Fernando Pessoa. In den USA und Europa gibt Pescia selbst Meisterkurse, 2012 berief man ihm zum Klavier-Professor an die Haute Ecole de Musique de Genève.

Um 19 Uhr (s.t.) gibt Andreas Daams die Konzerteinführung „Das dritte Ohr“. Konzertkarten (18 €/Schüler und Studenten: 9 €): bei kleve.reservix.de, allen Reservix-VVK-Stellen, an der Rathaus-Info (Tel. 02821-84600) und beim Fachbereich Kultur der Stadt Kleve (Tel. 02821-84254). Einlass: „kurz vor 19 Uhr“.