Barrierefreiheit in Kleve - Stadtverwaltung im Selbstversuch

Sich im Straßenverkehr, in der Einkaufsstraße oder an öffentlichen Plätzen selbständig zu bewegen, ist für die meisten Menschen eine…

Sich im Straßenverkehr, in der Einkaufsstraße oder an öffentlichen Plätzen selbständig zu bewegen, ist für die meisten Menschen eine Selbstverständlichkeit. Doch wie ist die diese Situation für Menschen mit einer Beeinträchtigung? Wie gut kann man sich frei bewegen, wenn man in der Bewegung oder in der Wahrnehmung eingeschränkt ist. Um sich dieser Frage zu nähern hat die Arbeitsgruppe "Barrierefreiheit in Kleve" der Stadtverwaltung Kleve in Zusammenarbeit mit dem LVR einen Selbstversuch gewagt.

Selbstversuch SimulationsanzugAusgestattet mit einem Simulationsanzug und Simulationsbrillen, einem Rollstuhl und Blindenstöcken ging es raus aus dem Rathaus und rein in den Straßenverkehr und zu öffentlichen Plätzen. Der Simulationsanzug schränkt den Träger in der Beweglichkeit so sehr ein, dass das eigene Alter gefühlt um ca. 40 Jahre ansteigt. Die Simulationsbrillen verändern die Wahrnehmungsfähigkeit und das Blickfeld und simulieren so z.B. einen grauen Star. "Im Bereich der Wegeplanung und Wegeketten ist es für die Planer wichtig, die besonderen Anforderungen für Menschen mit einer Beeinträchtigung zu kennen. Solch ein Selbstversuch hilft enorm, das Verständnis dafür zu stärken." so Bernhard Klockhaus, Leiter des Fachbereichs Tiefbau der Stadt Kleve.

Die AG Barrierefreiheit in Kleve wurde im Jahr 2018 gegründet und tauscht sich mehrmals im Jahr zu verschiedenen Projekten aus. Neben Vertretern aus verschiedenen Fachbereichen der Stadt Kleve sind auch Experten, wie der ehrenamtliche Schwerbehindertenvertreter, Herr Dr. Eckert, in der AG vertreten. In Gesprächen mit dem LVR ist die Idee entstanden, einen Selbstversuch mit dem Simulationsanzug des LVR durchzuführen. Aus Sicherheitsgründen sind die Mitarbeitenden der Stadtverwaltung in Tandems losgegangen. Insbesondere bei der Überquerung einer Straße war eine Hilfe notwendig. Aber auch bei kleinen Hürden, wie ein abgesenkter Bordstein, zeigten sich für die Rollstuhlfahrer die Tücken des Alltags. Für alle Beteiligten war dieser Selbstversuch eine besondere Erfahrung, welche bei den Beratungen und Planungen von zukünftigen Projekten einfließen wird.