Irritationen hinsichtlich der bevorstehenden Baumfällarbeiten

Die Stadt Kleve und die Gemeinde Kranenburg verfolgen das Ziel, mit der Europa-RadBahn eine komfortable und bei Bedarf auch schnelle…

Logo Europa-RadbahnDie Stadt Kleve und die Gemeinde Kranenburg verfolgen das Ziel, mit der Europa-RadBahn eine komfortable und bei Bedarf auch schnelle Radwegeverbindung zwischen Nijmegen und Kleve zu schaffen. So soll der Radverkehrsanteil am Verkehrsaufkommen gesteigert und in Verbindung mit dem ÖPNV ein Umstieg von motorisierten Individualverkehr hin zum umwelt- und klimafreundlichen Radverkehr erleichtert werden. Damit nimmt das Projekt den stetigen Trend zu Pedelec und eBike auf und schafft auch für das konventionelle Rad eine attraktive Verbindung. Entsprechende Analysen im Vorfeld der Planungen bestätigen die positiven Auswirkungen und die Einsparungen an klimaschädlichen Treibhausgasen.

Vor Beginn der Bauarbeiten muss dafür die geplante Trasse entlang der alten Bahnlinie Kleve –Nimwegen und der heutigen Draisinenstrecke freigeräumt werden. Dabei kommt es auch zu Baumfällungen.

In den letzten Tagen kursierten in den Medien immer wieder unterschiedliche Zahlen, der zu fällenden Bäume. Zur Klarstellung bieten wir hier eine Information zu den Gehölzentfernungen und die Bewertung zum Eingriff in Natur und Landschaft, die im Zuge des Verfahrens gemäß § 13 und § 14 Bundesnaturschutzgesetz (BNatSchG) vorgenommen wurden.

Gehölzentfernungen

Die Bahntrasse, die nach wie vor als Bahnfläche gewidmet ist, ist größtenteils von Gehölzstreifen, meist Baumgruppen mit mehr oder weniger dichtem Unterholz umgeben. Hierbei handelt es sich überwiegend um teilweise verwilderten und unkontrollierten Nachfolgebewuchs (Gehölzsukzession), der sich im Laufe der Jahrzehnte nach Entfernung des zweiten Gleises in den 1960er Jahren nach und nach auf der Trasse eingestellt hat und als „Natur auf Zeit“ zu werten ist.

Der vorliegende Landschaftspflegerische Begleitplan hat als Grundlage den Entwurf für diese Maßnahme. Die Anzahl der zu beseitigenden Gehölze fußt demnach auch auf diesem Planungsstand. Auf dieser Basis wird auch der Naturschutzbeirat des Kreises in der kommenden Woche entscheiden.

Auf dieser Grundlage müssen ca. 1.500 Gehölze in einem Gesamtkorridor mit einer Fläche von ca. 35.500 m² entfernt werden. Zweidrittel (ca. 1.000) dieser Gehölze sind als Bäume oder Sträucher (Stangengehölze) mit einem Stammdurchmesser 11 – 30 cm einzustufen. Hinzu kommen insgesamt 135 Bäume mit einem Stammdurchmesser von 50-70 cm und 60 Bäume mit einem Stammdurchmesser über 70 cm.

Die übrigen Bäume (ca. 305) liegen mit einem Stammdurchmesser von 31-50 cm. zwischen den beiden vorgenannten Kategorien.

Die notwendigen Ersatzpflanzungen auf Ausgleichsflächen sind vorgeschrieben und selbstverständlich Bestandteil der Planungen. Für die Eingriffs-Ausgleich-Bilanz ist dann nicht die Anzahl der Bäume mit deren ökologischen Wertigkeit entscheidend, sondern die Gesamtfläche, die der Baum oder die Baumgruppe einnimmt.

Keine besonderen Auswirkungen auf die Tierwelt

Für Tierarten stellen wegen der Vorbelastung durch den Draisinenbetrieb diese Gehölze keine essenziellen Reviere (Habitate) dar. Die Reviere der im Rahmen der Artenschutzrechtlichen Prüfung festgestellten Tierarten, liegen außerhalb dieser Trassengehölze. Zudem sind nach der Rodung noch Ausweichhabitate in den Biotopstrukturen der Umgebung vorhanden.

Außerdem sind auf der weiterhin als Bahntrasse gewidmeten Fläche  neben dem Radweg Neuanpflanzung bzw. ergänzende Anpflanzungen (einreihige Hecke, Bäume und Sträucher) vorgesehen. Eine erhebliche Beeinträchtigung des Landschaftsbildes durch den Radwegbau liegt somit nicht vor. Die Maßnahme erfolgt einseitig; die lineare Struktur wird weiterhin erkennbar bleiben.

Landespflegerischer Begleitplan bewertet die Eingriffe in Natur und Landschaft

Insgesamt zeigt die Vorprüfung zur Fauna-Flora-Habitat (FHH)- Verträglichkeitsuntersuchung, dass beim Bau und Betrieb der geplanten Europa-RadBahn keine negativen Auswirkungen auf das FFH-Gebiet „Kranenburger Bruch“ und das Vogelschutzgebiet Unterer Niederrhein zu erwarten sind.

Artenschutzrechtlichen Prüfung bestätigt Planungen

Durch das Planvorhaben werden keine Verbotstatbestände nach § 44 Abs. 1 BNatSchG ausgelöst. Damit stehen dem Planvorhaben keine artenschutzrechtlichen Bedenken entgegen.

Der Bereich der Bahntrasse und damit auch das Vorhabengebiet liegen in keinem Naturschutzgebiet. Das Naturschutzgebiet „Kranenburger Bruch“ grenzt im südöstlichen Teil nördlich an die Bahntrasse an. Das Naturschutzgebiet „Düffel - Kellener Altrhein und Flussmarschen“ liegt in einem Abstand von mindestens 250 m nördlich des Vorhabens. Beide Naturschutzgebiete sind Teilbereiche des Vogelschutzgebietes „Unterer Niederrhein“. Das Naturschutzgebiet „Kranenburger Bruch“ umfasst zusätzlich das Fauna-Flora-Habitat-Gebiet „Kranenburger Bruch“, für das keine negativen Auswirkungen zu erwarten sind.

Schutzziele und Schutzzwecke der Naturschutzgebiete entsprechen denen der Natura-2000-Gebiete, für die keine Beeinträchtigungen durch das Vorhaben nach dem Ergebnis einer Vorprüfung entstehen. Somit entstehen auch keine weiteren Beeinträchtigungen der Schutzziele oder Schutzzwecke der beiden Naturschutzgebiete.

Fazit

Insgesamt werden die Schutzzwecke und Schutzziele der durch das Vorhaben betroffenen Landschaftsschutzgebiete nicht maßgeblich beeinträchtigt. Die Gehölze, die gerodet werden müssen, stellen aufgrund der Vorbelastung durch den Draisinenbetrieb keinen essenziellen Lebensraum für Tierarten dar. Im Rahmen der Artenschutzrechtlichen Prüfung wurden nur Reviere außerhalb der Trassen festgestellt. Durch die Entfernung der Gehölze kommt es zu visuellen Veränderungen, die jedoch größtenteils durch die Gehölzreihen auf dem nördlichen Bereich der Bahntrasse aufgefangen werden können. Zudem wird der Radweg durch umgebende Gehölze weiterhin gegenüber der freien Landschaft abgeschirmt.