Flüchtlinge suchen weiter Helfer und Paten

VHS Kleve bietet kompakte Schulung "Darf ich auch Erfolgsgeschichten erzählen? Die Arbeit mit Flüchtlingen besteht absolut nicht nur aus Problemen!"…

VHS Kleve bietet kompakte Schulung

"Darf ich auch Erfolgsgeschichten erzählen? Die Arbeit mit Flüchtlingen besteht absolut nicht nur aus Problemen!" Mit diesen Worten und einem strahlenden Gesicht begann Angelika Hubbert ihren Bericht bei einem Pressegespräch im Klever VHS-Haus. Drei freiwillige Flüchtlingshelferinnen und -helfer saßen dort und wollten vor allem eines: Anderen Menschen Mut machen für eine Aufgabe, die sie selbst nach wie vor wichtig finden und die ihnen einiges abverlangt, die aber umgekehrt auch viel Belohnungen bietet. Ideellen Lohn und geteilte Glücksgefühle vor allem, wenn Geflüchtete zum Beispiel große Fortschritte beim Deutschlernen machen, eine Wohnung finden, eine Ausbildungs- oder Arbeitsstelle. Ohne Hilfe der einheimischen Nachbarn können das die wenigsten schaffen.

Bei Johannes Pietzsch-Remmen begann es so, dass sieben meist junge Männer in ein Haus in der Nachbarschaft eingezogen waren. Er und seine Frau gingen hin mit einem Kuchen zur Begrüßung und kamen schnell in Kontakt. Der blieb bestehen, wurde intensiver, nicht zu allen, aber zu denen, die dafür offen waren und die selbst ankommen wollten in der deutschen Gesellschaft. Zur gleichen Zeit begann ein Integrationslotsenkurs an der VHS. Dort nahm das Ehepaar teil und erhielt die wichtigsten Basis-Informationen, lernte die Ansprechpartner bei Behörden und Beratungseinrichtungen kennen. Sie haben ihre Arbeit als Paten inzwischen intensiviert mit zwei anderen Familien aus Syrien und Irak. Dafür nehmen sie auch die Unterstützung des Mentorenprogamms der Caritas in Anspruch. Die dritte Integrationshelferin, Beate Walther, sah auch, dass in ihrer Nachbarschaft gleich mehrere Flüchtlings-Wohngemeinschaften einzogen. Sie besuchte die erste und schnell ergaben sich viele weitere Kontakte. Sie hat schon berufliche Erfahrung in der Sozialarbeit, somit fällt ihr das Beraten leichter als anderen. So hat sie hat auch schon manchen in den persönlichen Krisen beistehen können, die mit dem Flüchtlingsschicksal unweigerlich einhergehen. "Soll ich zurückgehen, weil ich die Trennung von meiner Familie nicht mehr aushalte und es einfach nicht weitergeht mit der Familienzusammemnführung?" "Warum dauert mein Anerkennungsverfahren schon 2Jahre, wie geht es weiter mit mir?" Auch bei solchen existenziellen Fragen brauchen die Geflüchteten einheimische Nachbarn, Helferinnen oder besser noch: Freunde.

Ariane Süßmaier, Koordinatorin für Flüchtlinge und Asyl bei der Stadt Kleve, warb zusammen mit Thomas Ruffmann von der VHS, Wilfried van de Kamp von der Migrationsberatung der Caritas und Norbert Gerding vom Freiwilligenzentrum Kleverland dafür, dass es gar nicht genug Patinnen und Paten geben könne. Alle Expertren seien sich einig, dass jede Familie mindestens einen Einheimischen braucht, der ihr zur Seite steht. Zwar kommen laut Frau Süßmaier in diesem Jahr fast keine neuen Flüchtlinge mehr nach Kleve, aber die Betreuung der bereits länger hier Wohnenden wird eigentlich immer intensiver und wichtiger: Jetzt geht es nicht mehr um die erste praktische Hilfe, sondern um Wohnungssuche, Sprachelernen, Arbeit oder Ausbildung finden. Und Schritt für Schritt in einem oft mühsamen Prozess suchen die Geflüchteten hier ihren eigenen Weg zwischen ihrer Herkunftskultur und der Kultur in Deutschland. Das geht nur in iintensivem Kontakt mit Deutschen, den sich die meisten wünschen. Aber immer noch haben ihn nur die wenigsten.

Alle Flüchtlingshelfer richteten am Ende gemeinsam einen Appell an die Nachbarn in Kleve: Jede Form der Hilfe ist willkommen und wird gebraucht! Das kann einmal pro Woche das gemeinsame Einkaufengehen sein, man kann sich mit den Kindern treffen und etwas vorlesen, man kann den Erwachsenen beim Verstehen der Behördenbriefe helfen. Die Möglichkeiten des Engagements sind so vielfältig wie die Menschen, die da helfen oder die Hilfe brauchen. Und wer nicht solch eine enge Bindung will, sondern lieber bei Gruppenangeboten mitmacht, auch für diejenigen gibt es genügend Möglichkeiten zum Aktivwerden.

Am Dienstag, 06.06.2017, von 18 bis 21 Uhr, beginnt ein neuer Kurs für Integrationslotsen an der VHS. Wer gerade überlegt, ob die ehrenamtliche Flüchtlingsarbeit das richtige Feld ist, erhält hier an drei Dienstagabenden und einem Samstagseminar solides Orientierungswissen zur rechtlichen und sozialen Situation von Geflüchteten. Die Sensibilität für interkulturelle Fragen wird gestärkt, und man kann die wichtigsten Ansprechpartner im Klever Netzwerk zur Flüchtlingsarbeit persönlich kennenlernen.

Weitere Informationen gibt es unter www.vhs-kleve.de, Telefon 02821-723118, www.freiwilligenzentrum-kreiskleve.de, Telefon 02821-720916. Die Organisatoren bitten nach Möglichkeit um vorherige Anmeldung; es wird ledigleich eine Gebühr von 10 EUR erhoben.