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Beeindruckender Zuwachs der Artenvielfalt auf Blumenwiesen vor dem Klever Rathaus

Veröffentlicht am: 17.01.2024

Die blühenden Wildblumenwiesen vor dem Klever Rathaus sind nicht nur schön anzusehen, sondern stellen auch einen wichtigen Lebensraum für Insekten dar.

Vor zwei Jahren wurden die ersten Wildblumenflächen vor dem Klever Rathaus angelegt. Jetzt sind die Wiesen artenreicher denn je, wie ein neues Gutachten bestätigt. Welche Erfolge konnten bereits errungen werden, welche weiteren Themen stehen auf der Agenda der Stadt Kleve?

Die Artenvielfalt ist wichtig und schützenswert – doch weshalb ist das so? Artenreiche Ökosysteme können der Atmosphäre mehr Kohlenstoff entziehen und sind resistenter gegenüber sich ändernden Umweltauswirkungen. Gerade in Zeiten des Klimawandels ist das von unschätzbarer Bedeutung, denn von funktionierenden Ökosystemen ist schlussendlich auch der Mensch abhängig. Durch fehlende Arten, insbesondere Insektenarten, werden die bestehenden Ökokreisläufe gestört und unter Umständen aus dem Gleichgewicht gebracht. Insbesondere Insekten haben in diesem Zusammenhang eine wichtige Bedeutung, da sie häufig ganz am Anfang der Nahrungskette stehen und sich ihr Verschwinden oftmals stark auf Vogel- oder Säugetierarten auswirkt, die von Insekten als Nahrungsgrundlage abhängig sind.

In den letzten dreißig Jahren ist die Menge an Fluginsekten in Deutschland um bis zu 75% zurückgegangen, es wird vom „Insektensterben“ gesprochen. Auch in Kleve ist die Vielfalt und die Menge der Insektenarten in den letzten Jahren deutlich zurückgegangen. Um dieser Entwicklung schrittweise entgegenzusteuern, hat die Stadt Kleve in Zusammenarbeit mit den Umweltbetrieben der Stadt Kleve im Frühsommer 2022 vor dem Rathaus eine große Wildblumenwiesenfläche angelegt, welche dann im Mai 2023 durch weitere Flächen ergänzt wurde. Die Anlage der Flächen erfolgte als Bestandteil des Klimaschutzfahrplans der Stadt sowie des Konzeptes „Insektenfreundliches Kleve“.

Bereits im ersten Jahr nach der Umgestaltung der Wiesen war eine deutliche Zunahme der Artenmenge und -vielfalt im Vergleich zur bisherigen Rasenfläche zu beobachten. Es waren allerdings vorwiegend sogenannte „Allerweltsarten“ vertreten – weitverbreitete Arten, die hinsichtlich der Umweltbedingungen weniger anspruchsvoll sind. Nach dem nun zweijährigen Bestehen der Flächen zeigt ein neues Gutachten der NABU-Naturschutzstation, dass sich die Artenvielfalt und -menge der Insekten auf den Flächen fast verdoppelt hat. Dietrich Cerff, Leiter der NABU-Naturschutzstation Niederrhein sieht dafür deutliche Gründe: „Durch eine naturnähere Saatmischung der neuangelegten Flächen und damit auch einem besseren Nahrungsangebot für heimische Insekten, konnten viele vorbeifliegende Insekten zum Blütenbesuch verleitet werden. Außerdem war die Fläche im Jahr 2022 noch komplett neu und musste von vielen umhersuchenden Insekten erst entdeckt werden. Im Jahr 2023 kommen zu diesen suchenden und findenden Individuen diejenigen hinzu, die sich in der Fläche vermehren und dort überwintern konnten.“, erklärt Cerff. Auch in den nächsten Jahren kann auf den Flächen mit einer wachsenden Artenvielfalt gerechnet werden. Die Stadt Kleve ist zufrieden mit dem Verlauf des Projektes: „Das ist eine großartige Entwicklung, mit der wir in diesem Maße nicht gerechnet hätten“, so Luc Boekholt, Grün- und Umweltplaner der Stadt Kleve, über die neuen Zahlen. „Mit der Anlage der Flächen wollten wir zeigen, dass Blumenwiesen auch mit heimischen Arten und auch im Winter attraktiv sein können und dabei Insektenarten fördern“, so Boekholt.

Aktuell werden die Flächen vor dem Rathaus in ihrem Winterkleid angetroffen. Im Boden sowie in den Stängeln von abgestorbenen Pflanzenteilen überwintern viele Insekten, weshalb die Flächen erst im späten Frühjahr gemäht werden. Das Engagement für Artenvielfalt seitens der Stadt Kleve soll sich allerdings nicht auf Wildblumenflächen beschränken. Weitere Themen des Insektenschutzes, etwa das insektenfreundliche Management von Gewässern, Gehölzen, Stauden- und Rasenflächen, stehen bereits auf der Agenda.

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