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Vorstellung von Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus – Ergebnis des Aufrufs für das städtische Buchprojekt

Veröffentlicht am: 25.11.2022

Eine Box aus Pappe, darin alte Dokumente aus der NS-Zeit in Kleve.

Im Mai hatte das Stadtarchiv die Öffentlichkeit bei der Suche nach Quellen aus der Zeit des Nationalsozialismus um Unterstützung gebeten. Auf diesen Aufruf haben sich zahlreiche Bürgerinnen und Bürger gemeldet und private Dokumente (Fotos, Briefe, Kindheitserinnerungen, sogar ein Gemälde) für das städtische Buchprojekt zur Verfügung gestellt. Die Historikerin Helga Ullrich-Scheyda, die die Zeit des Nationalsozialismus in Kleve und ihrer heutigen Ortsteile wissenschaftlich aufarbeitet, und die Leiterin des Stadtarchivs Katrin Bürgel bedanken sich dafür recht herzlich für alle Leihgaben und Schenkungen.

Es sind eine ganze Reihe interessanter Dokumente abgegeben worden. Es handelt sich um Fotos und offizielle Dokumente, die den Alltag in Kleve in der Zeit des Nationalsozialismus illustrieren und als Abbildungen für die Veröffentlichung sehr wichtig sind. Um nur einige zu nennen:

  • Schreiben des Klever Bürgermeisters Marx von 1943 an den städtischen Beamten Tepass, der zu dieser Zeit Soldat war, zum 25-jährigen Dienstjubiläum.
  • Selbst gemachtes Gebetbuch des katholischen Kindergartens in Rindern 1936
  • Peter Nienhuys gab eine Erklärung seines Vaters von 1943 ab, die er beim Eintritt in den Reichsarbeitsdienst unterzeichnen musste. Er bestätigte, dass er kein Jude oder jüdischer Mischling und über den Begriff „Juden“ unterrichtet worden war.
  • Von Carola und Theo Osterkamp erhielten wir neben Geschäftskorrespondenz, die schon wegen der Briefköpfe interessant ist, u.a. ein Schreiben der NS-Volkswohlfahrt von 1936 mit der Aufforderung Mitglied zu werden.

Besonders hervorzuheben sind folgende zwei Abgaben:

Von Jörg Coenen erhielt das Archiv zwei Koffer mit Familienunterlagen. Bei der Durchsicht kamen zwei bemerkenswerte Vorgänge zum Vorschein. Zum einen kann man anhand vieler Dokumente die Biografie der Lehrerin Mechthilde Wimmer von ihrem Schulabschluss am katholischen Mädchenlyzeum 1919 über ihre Aktivitäten für die NSDAP und die NS-Organisationen bis hin zu den Entnazifizierungsverfahren nachvollziehen. Zum anderen gibt es zahlreiche Unterlagen zu Gertrud Speyer, für deren „Anstaltsunterbringung“ aufgrund einer geistigen Beeinträchtigung ihre Nichte Mechthilde Wimmer finanziell aufkommen musste. Sie hat hierzu nicht nur sämtliche Belege aufgehoben, sondern man kann anhand der Korrespondenz auch belegen, dass es sich beim Tod von Gertrud Speyer im Februar 1944 um einen Euthanasie-Fall handelt.

Überraschend war auch ein zweiter Fund. Jutta Giltjes gab zwei Ordner ab, die sie von ihrer 2005 verstorbenen Kollegin Brigitta Batkiewicz erhalten hatte. Nach ihrem Schulabschluss am städtischen Lyzeum Ostern 1937 machte sie eine Ausbildung zur Volkspflegerin. Interessant sind vor allem ihre Praktikumsberichte: 1941 in der erbbiologischen Abteilung des Staatlichen Gesundheitsamtes in Kleve und 1942 in der Werksfürsorge der Gustav-Hoffmann AG. Die Berichte geben einen unmittelbaren Eindruck davon, wie stark nationalsozialistisches Denken die Tätigkeit der Volkspflegerin bestimmte. Bei ihrem Bericht über das Gesundheitsamt schilderte sie ganz unbefangen über dessen Hauptaufgabe - der Erstellung von Erbkartei und Sippentafeln. Diese waren notwendig, um einen Überblick über den „Erbstand“ der Gesamtbevölkerung zu erhalten, und mussten „bei allen Anträgen, sei es Kinderbeihilfe, Ehestandsdarlehen, Aufgebote, Ehrenkreuz der deutschen Mutter, Ehrenbuch, Sterilisationsanträge“ herangezogen werden.

Neben Dokumenten und Fotos erreichte das Stadtarchiv auch ein Bild, das der mündlichen Überlieferung nach aus dem früheren Besitz eines Juden stammen soll. Fritz Vervoorts soll die Wohnung des jüdischen Einwohners renoviert und zum Dank dieses eventuell auch selbst gemalte Bild mit Rosenstrauß geschenkt haben. Leider ist das Gemälde nicht signiert.

Im Rahmen des Aufrufes konnten die Verantwortlichen auch Gespräche mit Zeitzeugen führen. Besonders eindrücklich war ein Gespräch mit Josef Robertz und seiner Frau. Herr Robertz erinnerte sich an viele Erlebnisse während seiner Schulzeit und des Krieges in Kleve.

Das Stadtarchiv nimmt auch weiterhin Dokumente aus dem Zeitraum 1930-1949 für dieses Buchprojekt an. Gesucht werden vor allem Fotos, Tagebücher, Briefwechsel, Dokumente von Vereinen, Zeitungen und weitere Unterlagen, die sich auf die Stadt und die heutigen Ortsteile beziehen.

Das Stadtarchiv würde die Unterlagen bei einer Ausleihe gerne digitalisieren, nimmt sie aber auch gerne als Schenkung entgegen.

Anmeldungen für eine Übergabe sind bei der Archivleiterin Katrin Bürgel per Telefon 02821-84701 oder per Mail katrin.buergel@kleve.de möglich.

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